Aktuelles

2026

Wer von Dürre spricht, muss über Wasser reden

von Berit Krondorf (Kommentare: 0)

Neues Informationspapier des GMC

Zweigeteiltes Bild von Dürre und Wiedervernässtem Moor (KI-Generiert)

28/06/2026  Nasse und wiedervernässte Moore leisten einen wichtigen Beitrag, um Landschaften widerstandsfähiger gegenüber zunehmenden Trockenperioden und Extremwetterereignissen zu machen. Zwar bleiben die Niederschlagsmengen insgesamt ähnlich wie bislang, aber sie sind ungleicher verteilt. Extremwetterereignisse wie Starkregen und lange trockene Perioden nehmen zu.

Wie Moore den Landschaftswasserhaushalt regulieren, welche Faktoren ihre Wasser­speicherfähigkeit bestimmen und welche Rolle Wiedervernässung für Hochwasser- und Klimaschutz spielt, wird in einem aktuellen Infopapier näher erläutert. Darin wird auch aufgezeigt, unter welchen Bedingungen Wiedervernässung erfolgreich umgesetzt werden kann und welche Herausforderungen bestehen.

Für den Klimaschutz ist die Wiedervernässung zentral: Um das Ziel der Netto-Null-Emissionen bis 2045 zu erreichen, müssten jährlich etwa 80.000 Hektar Moor wiedervernässt werden. Entscheidend ist dabei insbesondere der Rückbau künstlicher Entwässerungssysteme.

Brasilien für Peatland Breakthrough

von Berit Krondorf (Kommentare: 0)

Bald in Vorreiterrolle?

Brazil's National Committee for Wetlands (CNZU) meeting on Peatland Breakthrough (Photo: Luiza Tedesque

19/06/2026 Brasilien unternimmt wichtige Schritte, um eine Vorreiterrolle im Rahmen der „Peatland Breakthrough“-Initiative einzunehmen – einer globalen Initiative zur Beschleunigung des Schutzes, der Renaturierung und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Mooren weltweit.
Brasilien beherbergt die weltweit größte bekannte Fläche an tropischen Mooren, die sich über etwa 226.000 km² im Amazonasgebiet, im Cerrado, im Pantanal, im Atlantischen Regenwald, in der Pampa und in den Küstenregionen erstrecken. Trotz ihrer globalen Bedeutung finden Moore in der brasilianischen Umweltgesetzgebung, der Treibhausgasberichterstattung sowie der nationalen und internationalen Klimapolitik kaum Beachtung, wie 53 brasilianische Forscher in einem offenen Brief kritisierten.

Der Nationale Ausschuss für Feuchtgebiete (CNZU) Brasiliens hat nun dem Umweltministerium empfohlen, die „Peatland Breakthrough“-Initiative offiziell zu unterstützen und die Übernahme einer Vorreiterrolle als „Champion Country“ zu prüfen. Die Empfehlung ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Anerkennung von Mooren in der brasilianischen Klima-, Biodiversitäts- und Wasserpolitik.
„Das sind großartige Neuigkeiten für die globale Moorgemeinschaft – angestoßen durch die Klimakonferenz COP30 in Belém hat sich der Austausch mit Moorwissenschaftlern und Naturschützern in Brasilien intensiviert, und wir sind begeistert und sehr dankbar für das Interesse und das Engagement des Landes, sich den globalen Maßnahmen zum Schutz der Moore anzuschließen“, sagte Dr. Franziska Tanneberger, Direktorin des Greifswald Moor Centrum, die zur Teilnahme an der Sitzung des Nationalen Ausschusses für Feuchtgebiete eingeladen worden war.

„Die vom Nationalen Ausschuss für Feuchtgebiete abgegebene Empfehlung spiegelt Brasiliens wachsende Anerkennung von Mooren als strategische Ökosysteme für die Klimaregulierung, den Erhalt der biologischen Vielfalt und die Wasserversorgungssicherheit wider“, sagte Dr. Suelma Ribeiro Silva vom Chico-Mendes-Institut für den Erhalt der biologischen Vielfalt (ICMBio).
Sollte die Empfehlung angenommen werden, würde sich Brasilien neben Peru, Uganda und Deutschland als Vorreiterland der Initiative „Peatland Breakthrough“ anschließen und damit die internationale Zusammenarbeit beim Schutz, der Renaturierung und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Torfmooren stärken.

Über den „Peatland Breakthrough“
Der „Peatland Breakthrough“ ist ein globaler Aufruf zum Handeln unter der Federführung von Wetlands International, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Greifswald Moor Centrum, der in enger Abstimmung mit der Global Peatlands Initiative und in Zusammenarbeit mit der Konvention über Feuchtgebiete entwickelt wurde. Zu den immer zahlreicher werdenden Partnern zählen: das Global Environment Centre, das Landscape Finance Lab, RE-PEAT und The Nature Conservancy.
Der „Peatland Breakthrough“ weist durch drei globale Ziele einen klaren Weg in die Zukunft:

  • Den anthropogenen Verlust von nicht entwässerten Mooren bis 2030 stoppen.

  • Bis 2030 sollen mindestens 30 Millionen Hektar Torfmoore wiedervernässt und renaturiert werden.

  • Bis 2030 sollen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und sinnvolle Nutzung geschaffen werden, und bis 2050 soll diese in allen Mooren umgesetzt sein.

EDELNASS Workshop

von Berit Krondorf (Kommentare: 0)

3 Jahre Forschung zu Nasswiesenbiomasse

16/06/2026 Was lässt sich aus Nasswiesenbiomasse herstellen – und wie können daraus tragfähige Wertschöpfungsketten entstehen? Nach drei Jahren Forschung stellt das EDELNASS-Projekt seine Ergebnisse dazu vor.

Beim Abschluss-Workshop am 23. Juni 2026 am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie dreht sich alles um die Nutzung von Nasswiesenbiomasse für Papier, Basischemikalien und weitere biobasierte Produkte. Forschende präsentieren ihre Erkenntnisse und diskutieren gemeinsam mit Praxisakteuren, welche Chancen und Herausforderungen für die zukünftige Nutzung nasser Moor- und Feuchtgebietsbiomasse bestehen. Neben den Projektergebnissen stehen insbesondere der Austausch und der Blick nach vorn im Mittelpunkt: Welche nächsten Schritte braucht es, damit innovative Produkte und Wertschöpfungsketten aus nasser Biomasse den Sprung in die Praxis schaffen?

Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr (Empfang ab 10 Uhr) und endet um 16 Uhr. Im Anschluss können Interessierte Labore und Anlagen des ATB besichtigen. Eine Teilnahme ist sowohl vor Ort als auch online möglich. Weitere Informationen und Anmeldung: Online Formular

RRR2025 - Aftermovie

von Berit Krondorf (Kommentare: 0)

Jetzt angucken!

02/06/2026 Genau der richtige Zeitpunkt, zum International Peatland Day gab es den offiziellen Aftermovie zur Internationalen RRR Conference 2025. Ein Film über 350 Teilnehmende, 84 Präsentationen, ein gemeinsames Thema - der nachhaltigen Nutzung von Mooren, also Paludikultur.

Der Aftermovie zur RRR2025-Konferenz hat Stimmen aus Ländern Europas, Afrika und den USA eingefangen, die die unterschiedlichen Entwicklungsstände und Potenziale zeigen:

Lorna Parker aus dem Vereinigten Königreich berichtet zum bisher experimentellen Charakter dort und dem beginnenden Rohrkolben-Anbau im Great Fen. Leonard Akwany aus Kenia sieht Paludikultur dort noch in den Anfängen, aber auch große Potenziale für Wasser- und Klimaschutz und den Vorteil, auf europäische Erfahrungen bauen zu können.

Prof. Christian Fritz aus den Niederlanden betont die Stärke von Paludikultur, effektiven Klimaschutz mit wirtschaftlicher Nutzung, Vorteilen für den Wasserhaushalt und das Mikroklima zu verbinden. Wissensvermittlung, wirtschaftliche Anreize und Kooperationen zwischen verschiedenen Akteursgruppen hält er für entscheidend für die weitere Implementierung.

Prof. Harald Grethe aus Deutschland schätzt, dass die Transformation hin zu großflächiger Wiedervernässung und Paludikultur die nächsten 15 bis 25 Jahre in Anspruch nehmen wird. Wiedervernässungen mit erneuerbaren Energien zu verknüpfen sowie den intensiven Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis schätzt er dafür als zentral ein.

Orion Blake, Landwirt aus den USA, berichtet über seine Erfahrungen mit nasser Bewirtschaftung im Walkill River Valley. Angesichts von Bodensackungen und zunehmenden Überschwemmungen sieht er in der Paludikultur eine zukunftsfähige Lösung, stößt jedoch auf große Widerstände. Doch mit seinem eigenen Betrieb demonstriert er bereits seit mehreren Jahren, wie sich solche Ansätze lokal und praktisch umsetzen lassen.

Von der Nische fast zum Trend - wie sich Paludikultur in den letzten zehn Jahren entwickelt hat und in Zukunft bestmöglich skaliert werden kann, darüber gibt GMC-Leiterin Franziska Tanneberger einen Einblick. Für sie haben die RRR-Konferenzen seit 2013 einen Beitrag dazu geleistet, indem sie Akteurinnen und Akteure weltweit vernetzt und den Austausch gefördert haben.

Aktuelle nationale Förderentscheidungen wie die Palu-Richtlinie verleihen dem Thema Paludikultur zusätzlichen Auftrieb. Die RRR-Veranstalter Greifswald Moor Centrum und Thünen-Institut sind daher zuversichtlich, auch 2028 wieder Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Praxis und Politik zusammenzubringen, um Wissen zu teilen, Netzwerke zu stärken und konkrete Wege für Wiedervernässung und produktive nasse Landnutzung der Moore gemeinsam zu entwickeln.

Kein Anschluss für Moor-PV?

von Berit Krondorf (Kommentare: 0)

GMC warnt vor EEG-Änderung

01/06/2026  Moor-Photovoltaik könnte ihren Sonderstatus verlieren: Der aktuelle Referentenentwurf zur EEG-Novelle sieht vor, die Privilegierung von Moor-PV-Anlagen zu streichen. Das Greifswald Moor Centrum hält das für ein falsches Signal zur falschen Zeit.
In einer aktuellen Stellungnahme weist das GMC darauf hin, dass Moor-PV einen wichtigen Anreiz für die Wiedervernässung von Mooren schafft. Die Verbindung von Klimaschutz und erneuerbarer Energieerzeugung kann dazu beitragen, Treibhausgasemissionen aus entwässerten Moorböden zu senken und gleichzeitig neue wirtschaftliche Perspektiven für die Flächennutzung zu eröffnen.
Fällt die Privilegierung weg, könnten Wiedervernässungsprojekte an Schwung verlieren. Gleichzeitig droht, dass Photovoltaikanlagen weiterhin auf entwässerten Moorböden errichtet werden und weitere klimaschädigende Emissionen entstehen, während Chancen für Klima-, Arten- und Moorschutz ungenutzt bleiben. Das GMC spricht sich deshalb dafür aus, Moor-PV als besonders förderwürdige Technologie im EEG zu erhalten.

Eine fundierte Recherche zum Thema gibt es bei klimareporter: Reiche stellt dem Moorschutz den Strom ab
Die vollständige Stellungnahme zum Referentenentwurf EEG steht ebenfalls online zur Verfügung.